Herr Reb, als langjähriger Geschäftsführer der Tourismuszentrale Fichtelgebirge sind Sie mit den Gegebenheiten der Region bestens vertraut. Was waren besondere Herausforderungen und Erfolge?
Mit der gezielten Stärkung des Tourismus im Fichtelgebirge sind wir zusammen in der Region einen wichtigen und sehr erfolgreichen Weg gegangen. Man darf nicht vergessen, dass es hier, wie in anderen Regionen auch, einen enormen Strukturwandel gegeben hat. Wenn wir 30 oder 40 Jahre zurückschauen, da war das Fichtelgebirge noch stark geprägt von Textil und Porzellanindustrie mit großen Fabriken. Im Laufe der Globalisierung, der Osterweiterung etc. haben wir hier Produktionsstandorte und Wirtschaftskraft verloren. Mit dem Wegbrechen der Arbeitsplätze sind auch Teile der Bevölkerung weggezogen. Die Not war also groß, hier tragfähige Perspektiven zu entwickeln – und das ist uns mit einer guten Strategie und Investitionen in den Tourismus gelungen.

Wie steht der Tourismus heute bei Ihnen da und welche Bedeutung hat er in der Region?
Trotz aller regionalen Herausforderungen verzeichnen wir im Fichtelgebirge seit 15 Jahren eine Zunahme bei den Übernachtungszahlen und beim touristischen Umsatz. Die Kommunen arbeiten sehr gut zusammen und der Tourismus unterstützt die Wirtschaft in der Region spürbar. Wir haben eine Umsatzsteigerung von 440 Millionen auf aktuell 692 Millionen Euro im Tourismus. Das ist eine Entwicklung, die sich durchaus sehen lassen kann.

Der wachsende Tourismus wirkt sich also positiv auf Ihre Region aus?
Sehr positiv! Die wachsenden Umsätze stärken den Tourismus als Erwerbszweig für die Region und darüber hinaus natürlich zahlreiche weitere Gewerbe, darunter Dienstleister und Handwerksbetriebe, die beispielsweise Neubauten erstellen, Renovierungen durchführen und vieles mehr. Wichtig ist, dass wir, im Vergleich zu anderen, zum Teil überlaufenen Regionen, auch eine hohe Tourismusakzeptanz der Einwohner haben. Das ist wichtig, denn wenn sich der Einwohner hier wohlfühlt, dann fühlt sich auch der Gast willkommen und wohl.

Viele Mittelgebirgsregionen entdecken das Radfahren als neuen Faktor für sich. Ersetzt das Mountainbike künftig den Wintersport?
Langfristig will sich die Region Fichtelgebirge verstärkt als ganzjähriges Ziel für naturnahe nachhaltige Freizeitangebote und Aktivitäten etablieren und daher besonders das Radfahren noch stärker fördern. Dabei haben wir auch das Thema Mountainbike im Blick. Generell gilt: Die Menschen kommen zum Erholen hierher, sie mögen das Regionale, kombiniert mit Natur, Wandern, Radfahren. Was wir uns zudem wünschen, und daran arbeiten wir, das ist ein Publikum mit einer nochmal stärkeren Outdoor-Affinität.

Was hat sich mit der weiten Verbreitung von E-Bikes verändert?
Das E-Bike ist ein echter Gamechanger im ländlichen und Mittelgebirgsfahrradtourismus – mit allen Vor- und Nachteilen. Der große vorteilhafte Effekt ist, dass die Anzahl der Menschen, die sich im Mittelgebirge aufs Fahrrad setzt, deutlich gestiegen ist. Deshalb muss man entsprechende Wege vorhalten. Der vergleichsweise geringe Nachteil ist, dass viele Menschen jetzt an Stellen kommen, an die sie ohne Motor-Unterstützung normalerweise nicht gekommen wären. Das kann schon mal zu Problemen führen. Hier helfen lokale Guiding-Unternehmen und Mountainbike-Schulen, die Kurse für Neueinsteiger auf dem E-Bike oder diejenigen mit E-MTB anbieten, die gerne mal auf Trails fahren wollen. Unterm Strich ist das E-Bike definitiv ein Segen für uns.

Welche Zielgruppen und welche Radfahrenden sprechen Sie an?
Unsere Untersuchungen zeigen, dass unsere Gäste ungefähr dem Altersdurchschnitt der Bevölkerung, also Ende 40, entsprechen und regional aus einem Gebiet mit rund drei Stunden Anfahrt über die Autobahn zu uns kommen. Viele Radfahrende sind am liebsten auf ausgebauten Wegen unterwegs oder sie bevorzugen beim Wandern und Radfahren Waldwege. In der Vergangenheit haben wir viele Radwege in der Region ausgebaut – es gibt damit ein sehr gutes Netz. Daneben haben wir eine sehr gute Forstwegstruktur. Damit sind wir eher gravel-technisch prädestiniert. An unserem Hausberg, dem Ochsenkopf, haben wir zudem einen kleinen Mountainbikepark mit Downhill-Strecken errichtet. Dort entstehen jetzt auch im Zuge eines Seilbahnbaus weitere Flowtrails. Letztlich wollen wir für jeden etwas anbieten.